

Der Fortschritt in der Medizin Mitte der 60er
Jahre ermöglichte die Behandlung des chronischen
Nierenversagens durch regelmäßige Dialyse.
Während in Deutschland die Einrichtung von
Dialyseplätzen in den Universitätskliniken und
einigen kommunalen Großkrankenhäusern zunächst
Abhilfe schaffte, entstand für die Dialysebehandlung
der terminalen Niereninsuffizienz zunehmend eine für
Patienten und behandelnde Nephrologen unerträgliche
Situation.
Es herrschte eine extremer Mangel an Behandlungsplätzen. Generelle
Regelungen zur Deckung der Behandlungskosten
waren nicht vorhanden.
Konsequenz war, dass dem Beginn der notwendigen Behandlung
Selektionsprozesse vorausgingen, die eine schwere Belastung aller daran
Beteiligten darstellten. Darüber hinaus gab es viele ungelöste Probleme
in der Dialysetechnik. Erkrankungshäufigkeit und Sterberate der wenigen
Patienten, für die ein Dialyseplatz gefunden werden konnte, waren
erschreckend hoch. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass zu
derselben Zeit in den USA, vor allem aber in Großbritannien, mit
fortgeschrittener Dialysetechnik deutlich bessere Behandlungsergebnisse
erzielt wurden.
Mit dieser Situation war 1969 Dr. Klaus Ketzler – Geschäftsführer eines Textilverbandes – konfrontiert, als ein enger Freund terminal niereninsuffizient wurde und kein Zentrumsbehandlungsplatz zur Verfügung stand. Als Ausweg bot sich nur die schon in Großbritannien mit Erfolg praktizierte Heimdialyse an. Bei seinen Bemühungen, diese Behandlung für seinen Freund in Deutschland zu ermöglichen, erkannte Dr. Ketzler sehr schnell, welche generelle Notsituation in Deutschland bestand und welche organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten der Einführung der in England erfolgreich etablierten Heimdialyse entgegenstanden.
Schon in der tatkräftig vorangetriebenen Aufbauphase des KfH galt es deshalb, schnell den im Ausland an einzelnen Stellen erzielten hohen Standard der Dialysebehandlung zu erreichen. Dass dies gelang, war wesentlich auf die Beratung und Mitarbeit von Dr. Stanley Shaldon aus London zurückzuführen. Neben Scribner aus Seattle, USA, kann er als Begründer der Heimdialyse bezeichnet werden.
In dem von Shaldon gegründeten und geleiteten National Kidney Center, London, wurden demgemäß unter ständiger, lernender Mitarbeit von Ärzten und Schwestern aus Frankfurt die ersten 35 nach England eingeflogenen Patienten behandelt und in der Heimdialyse ausgebildet. Weitere Kliniken schlossen sich diesem Lernprozess an. Im Zuge der Aufbauphase wurde aber auch schnell klar, dass für die Vielzahl der behandlungsbedürftigen terminal niereninsuffizienten Patienten in Deutschland die Tätigkeit eines auf Spenden angewiesenen gemeinnützigen Vereins keine Lösung sein konnte.
Am 7. Oktober 1969 wurde auf Initiative von Dr. h.c. Klaus Ketzler und Prof. Dr. Wilhelm Schoeppe das KfH Kuratorium für Heimdialyse (später umbenannt in Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation) als gemeinnütziger Verein in Frankfurt am Main gegründet. Erste Aufgaben des KfH waren der Aufbau der Heimdialyse mit dem notwendigen Training der Patienten und ihrer Partner im Umgang mit der "Künstlichen Niere" sowie die Sicherstellung der Versorgung der Patienten mit den erforderlichen Dialyseverbrauchsmaterialien. Das Konzept des Vereins basierte auf einer Finanzierung durch Bankkredite, die durch die Zahlung der Kostenträger für die Dialysebehandlungen refinanziert werden sollten. Der Gründung gingen schwierige und komplizierte Verhandlungen mit Finanzbehörden, Banken, Kostenträgern und Kassenärztlichen Vereinigungen voraus, die Dr. Ketzler mit großem Geschick erfolgreich führte. Dabei stützte er sich auf den Rat von erfahrenen und kompetenten Persönlichkeiten, die er für seine Idee gewinnen konnte. Die Anleitung und Beratung durch Dr. Shaldon trugen wesentlich zur baldigen Errichtung erster Trainingseinrichtungen für Heimdialyse und zum Aufbau der bis dahin noch in keinem Bereich der Medizin so umfangreichen, erforderlichen Logistik bei.



